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Dieses Thema hat 16 Antworten
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 Alles weitere: Sport, Sæx, Bier und Selbsterlebtes
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El Combatante Offline




Beiträge: 1.162

08.04.2009 13:11
RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

jetzt endlich mal die Mitgliedschaft in Schützenvereinen als Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung anerkennt?

Hey, isch bin der Sensemann, isch komme mit der Sense, Mann.

Justin Taim Offline




Beiträge: 506

08.04.2009 15:03
#2 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Würde man sich ja wünschen. Ich habe unlängst einen Artikel mit Augenöffnerqualitäten gelesen. Dort habe ich z.B. gelernt, dass allein in Berlin mehr als 50.000 Schußwaffen legal registriert sind (ohne Polizeiwaffen natürlich).

50.000!

Wer mir erklären kann, warum es eine Zumutung sein soll, diese wenigstens verpflichtend im Verein einzuschließen, statt sie mit nach Hause zu nehmen, kann mich vermutlich auch überzeugen, dass es Christenpflicht ist, zwei Nieren zu spenden.

Von weitergehenden Dingen, wie z.B. nur noch kleine Kaliber für Sportzwecke zuzulassen (Warum muss man in D eine Smith&Wesson Magnum besitzen dürfen?), sehe ich mal ganz ab...

Beschreiben Sie das Universum und nennen Sie zwei Beispiele!

Proconsul Antipathos Offline




Beiträge: 1.208

08.04.2009 23:29
#3 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Zitat
Gepostet von Justin Taim
Würde man sich ja wünschen. Ich habe unlängst einen Artikel mit Augenöffnerqualitäten gelesen. Dort habe ich z.B. gelernt, dass allein in Berlin mehr als 50.000 Schußwaffen legal registriert sind (ohne Polizeiwaffen natürlich).

50.000!


Wieviele Millionen Berliner gibt's noch gleich? Abgesehen davon, wenn dann auch mal Polizisten mit ihrer Dienstwaffe durchdrehen (gibt's auch, war vor einigen Jahren doch mal ein Beziehungsdrama in einer Wache), fordern wir dann die Entwaffnung der Pozilei?

Zitat
Wer mir erklären kann, warum es eine Zumutung sein soll, diese wenigstens verpflichtend im Verein einzuschließen, statt sie mit nach Hause zu nehmen, kann mich vermutlich auch überzeugen, dass es Christenpflicht ist, zwei Nieren zu spenden.

Zwei Nieren spenden wäre ja ein bißchen viel... aber das Problem mit der zentralen Lagerung im Verein ist folgendes: Bei einem Einbruch im Verein sind dann 1.) plötzlich erschröcklich viele Waffen weg und 2.) Wer bezahlt denn den Saal im Keller mit den Waffenschränken? Ok, die Schränke könnten die Leute ja spenden, die schon so einen zu Hause haben, nur wo stellt man die auf?!

Zitat
Von weitergehenden Dingen, wie z.B. nur noch kleine Kaliber für Sportzwecke zuzulassen (Warum muss man in D eine Smith&Wesson Magnum besitzen dürfen?), sehe ich mal ganz ab...


Aus dem gleichen Grund, weshalb man in den USA eine haben muss. Weil gewisse Leute nunmal einen Mikropenis haben.

Naja, 9mm/.38 Spec. und .40 S&W sind noch relativ "kleine" Kaliber wenngleich ja alles über .38/9mm schon als "Großkaliber" zählt. Aber 10mm Auto, .44 Mag, .357 Mag, .45 ACP/GAP und nicht zuletzt auch der König der Genitalkompensation, .50 AE, sind irgendwo schon wieder lauter freudige Grüße aus Klein-Pimmlingen.

Aber wie in jedem Sport gibt's halt verschiedene Disziplinen in den Kalibern. Aber als Sportschütze ohne Titelambitionen braucht man eigentlich auch keine 14 Bummsmänner daheim, das ist schon wahr...

«Es war ein großer Drink. Groß und sehr lang. Einer jener besonderen Cocktails, dessen klebrige Ingredienzen ganz langsam ins Glas geschüttet werden, damit sie dort einzelne Schichten bilden. Solche Getränke nannte man "Ampel" oder "Rache des Regenbogens". An Orten, wo man größeren Wert auf die Wahrheit legte, trugen sie auch Namen wie "Hallo und lebt wohl, liebe Gehirnzellen".»

Proconsul Antipathos Offline




Beiträge: 1.208

09.04.2009 09:09
#4 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Im Rahmen der Gepflogenheiten des gedeihlichen Zusammenseins könnte man doch darüber nachdenken, dass alle Amokläufer künftig in freiwilliger Selbstverpflichtung die Reihenfolge Ihrer gewählten Ziele umgekehrt abarbeiten und bei sich selbst anfangen.

Könnte ein Gedanke sein, der vielen Menschen Leid, Kummer und eine Kugel ins Gehirn erspart...

«Es war ein großer Drink. Groß und sehr lang. Einer jener besonderen Cocktails, dessen klebrige Ingredienzen ganz langsam ins Glas geschüttet werden, damit sie dort einzelne Schichten bilden. Solche Getränke nannte man "Ampel" oder "Rache des Regenbogens". An Orten, wo man größeren Wert auf die Wahrheit legte, trugen sie auch Namen wie "Hallo und lebt wohl, liebe Gehirnzellen".»

Justin Taim Offline




Beiträge: 506

09.04.2009 09:10
#5 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Zitat
Gepostet von Proconsul Antipathos
Wieviele Millionen Berliner gibt's noch gleich?


Schon ein paar. Aber mal unter uns: Würdest Du auch einen derartigen Relativierungsversuch starten, wenn wir über, sagen wir, 50.000 Senfgaspratronen oder Ampullen mit Ebola sprächen? Welche Quote wäre da angebracht? Einmal Senfgas auf mindestens 1000 Einwohner? 3000?
Ist natürlich alles Quatsch. Jede ist eine zuviel, gell?
Und ganz ähnlich sehe ich das mit Schusswaffen auch. Sport ist OK. Aber dann unter Randbedingungen, die für Sportausübung akzeptabel sind.

Zitat
Abgesehen davon, wenn dann auch mal Polizisten mit ihrer Dienstwaffe durchdrehen, fordern wir dann die Entwaffnung der Pozilei?


Nö, machen wir nicht. Weil es darum geht, Risiken vernünftig zu minimieren und - Du bist ja Jurist, gell - (Rechts-)güter gegeneinander abzuwägen.

Zitat
Bei einem Einbruch im Verein sind dann 1.) plötzlich erschröcklich viele Waffen weg und 2.) Wer bezahlt denn den Saal im Keller mit den Waffenschränken? Ok, die Schränke könnten die Leute ja spenden, die schon so einen zu Hause haben, nur wo stellt man die auf?!


Das ist jetzt aber wirklich witzig. Zu 1) Was passiert eigentlich bei Einbrüchen im Waffenladen? Das gleiche oder schlimmeres. Das Argument kommt mir flau vor.
Zu 2.) Dass die dezentrale Lagerung teurer ist als die zentrale, liegt ja auf der Hand. Bleibt die Raumfrage. Über wieviel Quadratmeter reden wir denn hier? Und wieso ist das ein Problem? Ich kenne Kanuvereine, die müssen Ihre Kanus lagern. Ich kenne sogar so etwas wie einen Reitverein. Der muss Springmaterial lagern, Bahnplaner, Heu, Stroh und - horribile dictu - Pferde. Warum genau ist es für einen Verein unzumutbar, die Sportgeräte auf dem Vereinsgelände zu lagern?


Zitat
Aber wie in jedem Sport gibt's halt verschiedene Disziplinen in den Kalibern.


Korrekt. Aber das heißt ja nicht, dass man nicht die Frage stellen darf, ob die Grenze nach oben richtig liegt. Dass es eine Grenze nach oben geben muss, ist wohl unstrittig.

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Justin Taim Offline




Beiträge: 506

09.04.2009 09:13
#6 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Zitat
Gepostet von Proconsul Antipathos
Im Rahmen der Gepflogenheiten des gedeihlichen Zusammenseins könnte man doch darüber nachdenken, dass alle Amokläufer künftig in freiwilliger Selbstverpflichtung die Reihenfolge Ihrer gewählten Ziele umgekehrt abarbeiten und bei sich selbst anfangen.

Könnte ein Gedanke sein, der vielen Menschen Leid, Kummer und eine Kugel ins Gehirn erspart...



Richtig. Aber vermutlich gibt es dann wieder viele "wilde" Amokläufer, die sich nicht an den Kodex der Dachverbände Deutscher Amoklaufvereine halten. Sondern in juvenilem Ungehorsam dagegen aufbegehren. Aber denen könnte man natürlich mit einem Ordnungsgeld drohen. Bei Wiederholung sogar mit einem erhöhten Ordnungsgeld.

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Proconsul Antipathos Offline




Beiträge: 1.208

09.04.2009 10:36
#7 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Genau. Oder mit der Todesstrafe. Wegen der Spezialprävention...

Die Sicherungsmaßnahmen für Heuballen, Sprunghindernisse und Pferde sind - meinem laienhaften Verständnis nach jedenfalls - so beschaffen, dass man sich eigentlich nur dagegen absichern muss, dass die Sachen Beine bekommen und plötzlich im Reitverein vom Nachbarort auftauchen, mit einer neuen Lage Farbe oder so.

Bei Schusswaffen ist bei zentraler Lagerung die Sicherung von erheblicher Bedeutung. Jeder Sportschütze (eigentlich falsch, gilt auch für Jägersleut und andere Besitzer legaler Waffen) ist verpflichtet, den unbefugten Zugriff auf seine Waffen zu unterbinden. Höchstselbst. Das auf den Verein zu übertragen, birgt Potenzial für wechselseitige Schuldzuweisungen. Und wenn jeder dort seinen eigenen Tresor hat, der die entsprechende Sicherheitsstufe für die Lagerung von Waffen aufweist, dann sieht es da schon recht mau aus.

Ich fände es viel besser - und das als Liberaler - wenn die Waffenbehörde einfach mal unangemeldet bei Waffenbesitzern vorbeikommen könnte und sich von der ordnungsgemäßen Unterbringung der Waffen - aller Waffen und der davon getrennt aufzubewahrenden Munition - überzeugt. Weiterhin kann man auch die Lagervorschriften anderweitig verschärfen. Es gibt z.B. Abzugsschlösser, so dass auch Waffen, an die Sohnemann aus irgendwelchen Gründen herankommt, weil er das Kodeschloss am Waffensafe nach McGyver-Art geknackt hat, viel von ihrer unmittelbaren Gefährlichkeit genommen wird. Kostet 9,95 bei Amazon. Bei einigen Waffen ist das inzwischen sogar integriert.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass ein Amokschütze in spe, der sich dann eben im Schlösserknacken übt, von einem Abzugsschloss auch keine großen Hürden vorgesetzt bekommt, aber es sind immer Fälle denkbar, in denen jeder Sicherheitsmechanismus versagt.

Mal abgesehen davon. Wie willst Du denn verhindern, dass ein Amokschütze sich im Klub zum Training seine Waffe holt, und diese am Ende nicht zurück in den Tresor legt, sondern sie unerlaubt mit nach Hause nimmt, und dann am nächsten Tag in der Schule die Fetzen fliegen lässt. Davor hat er sich womöglich schon ein paar Schuß mit nach Hause genommen, immer so drei bis fünf Patronen in der Hosentasche, das kann kein Mensch kontrollieren, wie oft es bei jedem Schützen auf dem Stand letztlich "Peng" gemacht hat. Willst Du die beim rausgehen jedesmal alle filzen lassen? Vielleicht wäre das ja eine Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit, aber qualifiziertes Security-Personal ohne Hang zu ThorSteinar-Klamotten ist heutzutage auch nicht so leicht zu bekommen. Leider.

«Es war ein großer Drink. Groß und sehr lang. Einer jener besonderen Cocktails, dessen klebrige Ingredienzen ganz langsam ins Glas geschüttet werden, damit sie dort einzelne Schichten bilden. Solche Getränke nannte man "Ampel" oder "Rache des Regenbogens". An Orten, wo man größeren Wert auf die Wahrheit legte, trugen sie auch Namen wie "Hallo und lebt wohl, liebe Gehirnzellen".»

Justin Taim Offline




Beiträge: 506

09.04.2009 11:49
#8 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Zitat
Gepostet von Proconsul Antipathos
Die Sicherungsmaßnahmen für Heuballen, Sprunghindernisse und Pferde sind - meinem laienhaften Verständnis nach jedenfalls - so beschaffen, dass man sich eigentlich nur dagegen absichern muss, dass die Sachen Beine bekommen und plötzlich im Reitverein vom Nachbarort auftauchen, mit einer neuen Lage Farbe oder so.



Nicht ganz. Zumindest der Pferdeanteil ist bei der Lagerung deutlich aufwendiger. Füttern (mind. 2mal/d, Tränken, Boxen entmisten, Pferde auf die Weide bringen und wieder reinholen, Wurmkuren verabreichen, Hufschmied, Tierarzt bei allfälligen Verletzungen, Koliken, Infektionen,...

Kalkuliere mal den Zeitaufwand für 10 Pferde. Mir will nicht einleuchten, dass deutlich geringere Aufwände, auch wenn diese eher in die Richtung "Sicherung" und nicht "artgerechte Haltung" gehen, für Sportschützen unzumutbar sein sollen.
ODer ganz drastisch ausgedrückt: Wem wegen des geringen Zusatzobolus für zentrale Waffenschränke der Schießsport keinen Spaß mehr macht, der soll halt auf Hallenjojo oder Schach umsatteln.

Zitat
Das auf den Verein zu übertragen, birgt Potenzial für wechselseitige Schuldzuweisungen. Und wenn jeder dort seinen eigenen Tresor hat, der die entsprechende Sicherheitsstufe für die Lagerung von Waffen aufweist, dann sieht es da schon recht mau aus.

Nochmal die Analogie zum Reitverein (Du kannst Dir wenn Du eine Pferdeallergie hast, auch etwas anderes aussuchen, z.B. einen Segelflugverein). Da ist auch nicht jedes Mitglied verantwortlich für die ordnungsgemäße Unterbringung des Pferdes (m.m. des Segelflugzeugs, des Tennisplatzes, der Snookertische, des Schwimmbeckens etc.) Vielmehr ist es eine Dienstleistung des Vereines, Pferdeboxen und Schulpferde, oder aber - damit die Analogie noch deutlicher wird - abschließbare Sattelkammern zur Verfügung zu stellen (damit nicht jedes Miglied zum Sattelschlepper werden muss).

Zitat
Ich fände es viel besser - und das als Liberaler - wenn die Waffenbehörde einfach mal unangemeldet bei Waffenbesitzern vorbeikommen könnte und sich von der ordnungsgemäßen Unterbringung der Waffen - aller Waffen und der davon getrennt aufzubewahrenden Munition - überzeugt.


Das klingt aber wirklich nach Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ich denke gerade an die 50.000 Waffen in Berlin. Wieviele Mitarbeiter hat die entsprechende Behörde in Berlin? Die abschreckende Wirkung einer derartigen Regelung ist gering,wenn im Mittel alle 12 Mio Jahre ein MA vorbeikommt...

Zitat
Mal abgesehen davon. Wie willst Du denn verhindern, dass ein Amokschütze sich im Klub zum Training seine Waffe holt, und diese am Ende nicht zurück in den Tresor legt, sondern sie unerlaubt mit nach Hause nimmt, und dann am nächsten Tag in der Schule die Fetzen fliegen lässt.


Gute Frage. Als Technofuzzy fallen mir immer zuerst technische Lösungen ein. Z.B. ein RFID-Chip am Schießprügel und ein Lämpchen leuchtet rot, sofern nicht alle Waffen im Schrank sind. Ist niemand mehr am Schießstand und leuchtet noch ein Schrank rot, gibt es eine automatische Warnung in der nächsten Polizeiwache, SoKos schwirren aus und exekutieren den säumigen... Halt, da war ich etwas übereifrig. Aber RFID wäre prinzipiell eine Lösung, gell?

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Proconsul Antipathos Offline




Beiträge: 1.208

09.04.2009 22:18
#9 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Guter Punkt. RFID wäre ein Gedanke. Sofern wir gewährleisten können, dass das auch tatsächlich funktionunzt.

Wie gesagt, so schrecklich viele Gründe, mit einer Desert Eagle im Kaliber .50 AE Löcher in den Kugelfang zu eumeln, fallen mir so spontan auch nicht ein...

Mir ist nur unwohl, wenn alle Leute nicht mal auf das Symptom (Amoklauf), sondern nur auf den Vektor (Schusswaffen) abgeiern. Denn die tatsächlichen Ursachen (hartes Mobbing, Individualismus und gesellschaftlicher Zerfall, Fehlen elterlicher und erzieherischer Kompetenz) werden durch die nun propagierten aktionistischen Lösungen (alle Waffen verbieten oder kontrollieren, Killerspiele sind pfui, etc.) nicht unbedingt aus dem Weg geräumt.

Wenn die ersten Leute mangels erhältlicher Schußwaffen stattdessen nagelgespickte Rohrbomben in die Klassenräume werfen, werden die Leute, die die - zweifellos gegebene - Gefährlichkeit von Schusswaffen als maßgeblichen Gesichtspunkt betrachten, eines weitaus nicht Besseren sondern wesentlich Schlechteren belehrt.

Sach ich mal... Der Amoklauf wird sich Bahnen suchen.

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El Combatante Offline




Beiträge: 1.162

10.04.2009 12:08
#10 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Da sag ich "Amen" dazu, und "Dein Wort in Chefs Ohr".

Interessant ist nach wie vor, daß die absolute Zahl an Amokläufen, zumindest in Ländern wie den USA, nicht gestiegen ist, auch nicht die Zahl der Todesopfer. Was sich verändert hat, v.a. in Europa:

- die Berichterstattung ist eine andere geworden;
- die Wahl der Waffen hat sich von Küchenmessern hin zu Schußwaffen verlagert (mit einem Küchenmesser schafft man es auch in belebten Fußgängerzonen kaum über 20 Verletzte, da würden die meisten Medienmacher ja schon gähnend abwinken: Was, nicht mal ein Toter in Coesfeld? - Leider... - Na dann ab dafür, da war doch noch was mit der Abwrackprämie, hängen Se sich da mal dran...);
- die Täter sind jünger geworden.

Und, wie gesagt, Amen, Amen, Amen, genau dort, spätestens dort, sollte man einhaken, nachhaken, beim Thema Mobbing, Ausgrenzung, Schulwahnsinn, dort ließe sich auch etwas verändern, das Phänomen an sich wird bleiben, die Wahl der Mittel wird "Moden" unterworfen sein (an die Nagelbomben glaube ich allerdings nicht, der Amokläufer sucht doch den vorletzten Kick im persönlichen Auslöschblutrausch und den letzten in der händischen Selbsttötung, wahrscheinlich, um sich einmal wieder zu spüren, Nagelbomben führten da schon arg weit weg von).

Hey, isch bin der Sensemann, isch komme mit der Sense, Mann.

Justin Taim Offline




Beiträge: 506

10.04.2009 16:28
#11 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Zitat
Gepostet von Proconsul Antipathos
Mir ist nur unwohl, wenn alle Leute nicht mal auf das Symptom (Amoklauf), sondern nur auf den Vektor (Schusswaffen) abgeiern. Denn die tatsächlichen Ursachen (hartes Mobbing, Individualismus und gesellschaftlicher Zerfall, Fehlen elterlicher und erzieherischer Kompetenz) werden durch die nun propagierten aktionistischen Lösungen (alle Waffen verbieten oder kontrollieren, Killerspiele sind pfui, etc.) nicht unbedingt aus dem Weg geräumt.



Zunächst mal, und da sind wir uns freilich einig, sind Aussagen wie "Zu leichte Verfügbarkeit von Schusswaffwen* sind an Amokläufen schuld" (* ersetze durch Killerspiele, Horrorvideos, das Fernsehen etc.) völlig Banane.

Aber ich glaube auch, dass eine rein lineare Rekonstruktion von Ursache-Wirkungsketten (etwa: "rauheres gesellschaftliches Klima" und "Mobbing" -> "Amoklauf") dem Sachverhalt nicht gerecht werden. Vermutlich wird man nicht umhin können, hier zirkuläre Strukturen, gegenseitiges Verstärken etc. anzunehmen, so dass das Ursache-Wirkung-Schema unanwendbar oder doch nur stark aufgeweicht anwendbar ist.
Ich mache mich übrigens auch nicht anheischig zu behaupten, dass die von mir geforderten Maßnahmen, Amokläufe statistisch signifikant reduzierten. In einem multifaktoriellen Geschehen wäre eine solche Aussage ohnehin nicht überprüfbar und somit wertlos.
Ich frage mich nur, warum es zehnmal schwerer ist, einen Angelschein zu machen, als in legalen Besitz von Instrumenten zu kommen, denen das Etikett "Sportgerät" nur mit sehr viel Gewalt angeklebt werden kann, und warum diese Instrumente dann zu Hause gelagert werden müssen.

Zitat
Ich fände es viel besser - und das als Liberaler - wenn die Waffenbehörde einfach mal unangemeldet bei Waffenbesitzern vorbeikommen könnte und sich von der ordnungsgemäßen Unterbringung der Waffen - aller Waffen und der davon getrennt aufzubewahrenden Munition - überzeugt


Das irritiert mich allerdings, zumindest von einem liberalen Juristen.
Die Einschränkung eines Grundrechtes (Unverletzlichkeit der Wohnung) sollte die geringerwertige Rechtsgutverletzung darstellen gegenüber der Auflage, Sportgeräte, sofern sie gefährliches Missbrauchspotential haben, am Art der Sportausübung kontrolliert lagern zu müssen?

[ Editiert von Justin Taim am 10.04.09 16:33 ]

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Proconsul Antipathos Offline




Beiträge: 1.208

10.04.2009 23:28
#12 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Naja, Du sagst ja selbst, dass die "Spochtgeräte" den Namen kaum verdienen. Die Unverletzlichkeit der Wohnung ist ja insoweit gewahrt, als sich die Herrschaften ja lediglich (im Beisein des Auskunftspflichtigen) den Waffenschrank ansehen dürfen und sich über den Verbleib, bzw. die Lagerung sämtlicher eingetragenen Waffen informieren. Unangemeldet muss das deshalb sein, weil natürlich sonst die Leute die Waffen korrekt vorzeigen und danach der Krempel eventuell wieder Tags drauf unterm Kopfkissen im Schlafzimmer rumfliegt.

Womit ich erhebliche Probleme habe ist, die Durch-/Untersuchung von Wohnungen ohne Kenntnis des Bewohners.

«Es war ein großer Drink. Groß und sehr lang. Einer jener besonderen Cocktails, dessen klebrige Ingredienzen ganz langsam ins Glas geschüttet werden, damit sie dort einzelne Schichten bilden. Solche Getränke nannte man "Ampel" oder "Rache des Regenbogens". An Orten, wo man größeren Wert auf die Wahrheit legte, trugen sie auch Namen wie "Hallo und lebt wohl, liebe Gehirnzellen".»

Justin Taim Offline




Beiträge: 506

08.05.2009 13:17
#13 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Und was haben sich unsere Großkoalitionäre jetzt ausgedacht?

Sie verbieten Gotcha und Paintball.

Da kriege ich ja das kalte Kotzen. Diese Idioten.

Zugegeben, ich finde Paintball albern, aber wenn man Alle Albernheiten verbieten wollte, dann müsste man zunächst mal Leuten verbieten, ein Paintballverbot als Maßnahme gegen Amokläufer zu verkaufen.

Ich könnte ins Essen brechen.

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treberT ottO Offline




Beiträge: 354

09.05.2009 09:41
#14 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Wir haben ja früher "bäng, du bist tot!" gerfufen und dann musste der andere eine Weile liegenbleiben. Ich vermute, das wird auch verboten.

Man sollte auch eine strafmildernde Selbstanzeige erwägen, wer weiß wie bei solchen Kapitalverbrechen die Verjährungsfristen sind.

Proconsul Antipathos Offline




Beiträge: 1.208

09.05.2009 12:58
#15 RE: Ob man nach der Geschichte in Landshut Antworten

Ein Freund hat mal dazu was geschrieben:

Zitat
CSU nimmt „Mensch ärgere dich nicht“ ins Visier. Beckstein will Killer-Brettspiele verbieten

München - Rund eine Woche nach dem spektakulären Amoklauf eines Münchener Hochschullehrers gerät die deutsche Brettspieleindustrie zunehmend in den Fokus der Kritik bayerischer Unionspolitiker.
Dr. oec. troph. Alfons M., Inhaber des Lehrstuhles für Ernährungs- und Haushaltswissenschaften an der Ludwig – Maximilians- Universität, hatte am Freitag voriger Woche seine Sekretärin Walburga F. sowie einen Studenten aus dem Fenster seines Büros im achten Stockwerk geworfen.
Anschließend richtete Alfons M. einen zuvor von seiner Frau entwendeten Damenrevolver gegen sich selbst. Er galt als unscheinbarer und friedlicher Mensch.
„Ein herzensguter Mann“, charakterisiert ihn eine Nachbarin. Umso rätselhafter gestaltete sich bisher die Suche nach der Ursache der Tat. Der langjährige Scheidungskrieg mit seiner Ehefrau sowie jahrelanges Mobbing durch Kollegen können nach dem neuesten Ermittlungsstand wohl als Motive ausgeschlossen werden:
Wie jetzt durch die Staatsanwaltschaft München II bekannt wurde, soll sich der 56 jährige Professor für Schach und auch andere Brettspiele interessiert haben. Am Vorabend der Tat habe er zudem einen so genannten „Spieleabend“ bei Bekannten besucht. Dort sei unter anderem auch „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt worden. Bei der Durchsuchung der Wohnung des M. wurde außerdem eine große Ravensburger Spielesammlung sichergestellt.
Aus diesem Anlass mahnt der bayerische Innenminister Kurt Beckstein eine erhöhte Sensibilität im Umgang mit solchen Spielen an: „Wer diese Spiele spielt, der führt nichts Gutes in Schilde“ .
Bei genauerer Betrachtung des zunächst harmlos anmutenden „Mensch ärgere dich nicht“ müsse sich bei jedem aufrichtigen Demokraten ein ungutes Gefühl einstellen, so Beckstein weiter, „denn sie können das Spiel ja nur gewinnen, wenn sie andere Mitspieler hinauswerfen. Sie gehen während des Spiels buchstäblich über Leichen.
Alfons M. hat mit seinen beiden Opfern das getan, was das Spiel ihm zuvor als akzeptablen Lösungsweg vermittelt hat – er warf sie einfach hinaus“.
Die Gefährlichkeit von „Killer-Brettspielen“ sei in der Bundesrepublik zu lange unterschätzt worden. Dabei existiert in unzähligen deutschen Haushalten schon seit längerer Zeit ein weiteres Spiel, dessen Gefährlichkeit nach Ansicht Becksteins noch wesentlich größer ist als die des „Mensch ärgere dich nicht“. Die Rede ist hierbei vom Schach.
„Das Spiel der Könige ist doch in Wahrheit das Spiel der Krieger und Mörder. Hier soll doch ganz klar ein Gegner mit raffinierten und durchdachten Mitteln vorsätzlich vernichtet und ihr Anführer in eine ausweglose Situation gebracht werden. Über dieses verwerfliche Ziel können auch schön geschnitzte Figuren nicht hinwegtäuschen. Auch das Opfern von Bauern ist mit dem Grundgesetz in keinster Weise vereinbar.“
Darüber hinaus bedient das Schachspiel auch noch eine andere Klientel:
„Es geht dabei immer um Weiß gegen Schwarz. Und das ist ganz klar Rassismus.“
Alfons M. spielte am liebsten mit den weißen Figuren, weshalb der Verfassungsschutz nun überprüft, ob von Seiten des Ökotrophologen Kontakte zu Rechtsextremisten bestanden haben.

Derweil reagiert der Staat mit der gebotenen Härte. Am frühen Samstagnachmittag wurden die übrigen Teilnehmer des Spieleabends von einem Sondereinsatzkommando der Polizei verhaftet, sie befinden sich nunmehr in Untersuchungshaft.
Der deutsche Schachverband protestiert unterdessen energisch gegen den „Verstärkten Einsatz von V-Leuten in der Schachszene“, welchen Beckstein ebenfalls auf einer Pressekonferenz ankündigte.
Nach den Vorstellungen des bayerischen Innenministeriums kann dies jedoch nur der Anfang sein. „Es gibt diese abartigen Spiele in so vielen Farben und Ausführungen, da kann sich jeder den gewünschten Völkermord auf dem Spielbrett zusammenstellen. Mich beunruhigt der Gedanke, dass so etwas bei den Leuten daheim herumliegt.“
Die CSU werde noch in dieser Legislaturperiode einen entsprechenden Gesetzesentwurf für ein bundesweites Verbot der Killer-Brettspiele in den Bundestag einbringen, denn
„in einer demokratischen und freiheitsliebenden Gesellschaft kann und darf für derartige Spiele kein Platz sein.“

«Es war ein großer Drink. Groß und sehr lang. Einer jener besonderen Cocktails, dessen klebrige Ingredienzen ganz langsam ins Glas geschüttet werden, damit sie dort einzelne Schichten bilden. Solche Getränke nannte man "Ampel" oder "Rache des Regenbogens". An Orten, wo man größeren Wert auf die Wahrheit legte, trugen sie auch Namen wie "Hallo und lebt wohl, liebe Gehirnzellen".»

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